ADFC Wachtberg kritisiert Stopp von Radwegprojekten durch Gemeindeverwaltung
Mit großer Enttäuschung und Unverständnis reagiert die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) auf die jüngsten Äußerungen von Bürgermeister Swen Christian (CDU) im Ausschuss für Bau und Infrastruktur.

Laut einem Bericht des General-Anzeigers vom 23./24. Mai 2026 beabsichtigt die Gemeinde, zwei bereits politisch beschlossene Radwegprojekte einzustellen und die dafür zugesagten Fördermittel in Höhe von 90 Prozent zurückzugeben. Betroffen sind der finale Ausbau des Berkumer Wegs und des Stumpebergwegs vor dem Schulzentrum zu einer echten Fahrradstraße, sowie der Ausbau des stark frequentierten Wirtschaftswegs zwischen Holzem und Villip zu einem Radweg.
Widersprüchliche Signale bei der Schulwegsicherheit
Besonders irritierend ist aus Sicht des ADFC die Argumentation hinsichtlich des Stumpebergwegs am Berkumer Schulzentrum. Bürgermeister Christian stellte im Ausschuss die Frage, ob ein weiterer Ausbau in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch vertretbar sei.
„Es ist völlig widersprüchlich, dass der Bürgermeister die massiven Verkehrsgefährdungen durch Elterntaxis vor den Schulen thematisiert, das bereits bewilligte und vorgeplante Projekt zur Entschärfung dieser Situation jedoch auf unbestimmte Zeit verschiebt“, kritisiert Andreas Stümer, Sprecher des ADFC Wachtberg. Der Ausbau des Berkumer Wegs und des Stumpebergwegs zu Fahrradstraßen wurde bereits 2021 von der Politik als Gesamtpaket beschlossen. Während andere Kommunen die Sicherung von Schulumfeldern priorisieren, lässt Wachtberg ein durchgerechnetes und zu 90 Prozent gefördertes Vorhaben zur Schulwegsicherheit fallen.
Wie wichtig eine sichere, kinderfreundliche Radinfrastruktur für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern ist, zeigen europäische Nachbarn wie die Niederlande regelmäßig. Dass Deutschland in der aktuellen UNICEF-Studie vom Mai 2026 zum Wohlbefinden von Kindern erneut unterdurchschnittlich abschneidet, liegt unter anderem an der mangelhaften Gestaltung solcher lebenswerter Alltagsstrukturen.
Fehlende Priorität für den Radverkehr
Die Praxis, bei Haushaltsengpässen zuerst beim Radverkehr zu sparen, hat leider Tradition. Angesichts anhaltend hoher Energiepreise und der verfehlten Klimaziele im Verkehrssektor ist dieser Schritt jedoch das falsche Signal. Ein Umstieg vom Auto auf das Fahrrad gelingt nicht durch Absichtsbekundungen, sondern nur durch ein sicheres und attraktives Wegenetz.
Dass im Tiefbau durchaus finanzielle Mittel bewegt werden, zeigen andere Projekte der Gemeinde: So kostete allein die kürzliche Sanierung des Straßenbelags der K58 zwischen der L158 und dem Kreisverkehr Villip schätzungsweise 1,7 Millionen Euro. Zudem wurden im Februar 2026 Tiefbaumaßnahmen für reine Straßensanierungen – wohlgemerkt ohne Neubauten – im Wert von 6,2 Millionen Euro vorgestellt. Für den Autoverkehr werden Straßen so ausgebaut, dass höhere Geschwindigkeiten erzielt werden, während ein sicherer, begleitender Radweg etwa zwischen Holzem und Villip weiterhin fehlt. Der aktuell genutzte Wirtschaftsweg, eine Schotterstrecke, ist bei feuchter Witterung verschlammt und birgt erhebliche Sturzrisiken, dieses angesichts zunehmender Rad-Alleinunfälle vor allem durch unzureichende Wegoberflächen. Eine im Vergleich zum Neubau kostengünstige Sanierung und Asphaltierung dieser bestehenden Verbindung nun trotz 90-prozentiger Förderung auszuschlagen, ist für den ADFC nicht nachvollziehbar.
Der ADFC fordert die Gemeinde nachdrücklich auf, die Prioritäten im Tiefbau zu überdenken, die Mobilitätswende nicht zugunsten des motorisierten Individualverkehrs zu opfern und damit auch die eigenen Ansprüche zur Erreichung von Klimaneutralität beiseitezuschieben.